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Wertvollster Spieler trotz Ausraster: Zinedine Zidane. Foto: ddp
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Dabei hätte der 34-Jährige mit dem einzigartigen Ballgefühl um ein Haar den Traum wahr gemacht, den er mit seinem Land geteilt hatte: wie 1998 die WM-Trophäe nach Frankreich holen, noch einmal Menschenmassen zum Feiern auf die Champs-Elysées locken. Doch nach ihrem Kapitän und Torschützen verlor seine Equipe in der Nacht zum Montag am Ende auch das Match. Statt mit Champagner in Paris wurde die Weltmeisterschaft mit Prosecco in Rom begossen.
Die unsportliche Aktion vom WM-Finale wirft nun wohl für immer einen Schatten über Zidanes Karriere. Sie passt nicht zum leichtfüßigen Auftreten, das ihn weltberühmt und Frankreich in den Club der großen Fußballnationen gebracht hat. Als sein Markenzeichen auf dem Feld galten nicht plumpe Kopfstöße, sondern meisterhaft gesetzte Frei- und Strafstöße, souveräne Ballbeherrschung, spektakuläre Pässe und Tore. Zidane habe „die schönsten Werte des Sports und die größten menschlichen Qualitäten verkörpert, die man sich vorstellen kann“, schwärmte der französische Präsident Jacques Chirac noch nach der Niederlage.
In Frankreich führt Zidane seit Jahren die Beliebtheitsstatistik an. Keine große Benefiz-Gala mag auf den Mann verzichten, der trotz seines Millionen-Einkommens als bescheiden, zurückhaltend, ehrlich und sympathisch gilt - eine Art Gegenmodell zu Fußball-Pop-Ikonen wie Englands David Beckham. Zidanes Profi-Karriere umfasste nur vier Stationen; bei seinem Wechsel von Juventus Turin zu Real Madrid 2001 war er mit 75 Millionen Euro der teuerste Kicker der Welt. Oft als „Maestro“ oder gar „Gott“ bewundert, wurde der Weltfußballer von 1998, 2000 und 2003 trotz seines Aussetzers auch in Deutschland zum besten Spieler des WM-Turniers gekürt.
Neben dem Fußball bringt auch die Reklame Zidane viel Geld: Der märchenhafte Aufstieg des am 23. Juni 1972 in einem armen Marseiller Einwanderer-Viertel geborenen Spielers in die Weltspitze und sein Ruf als Familienmensch machen den Sohn von Berbern aus der algerischen Kabylei zur idealen Werbefläche. Selbst nüchterne Fußball-Kommentatoren gerieten in Verzückung, wenn „Zizou“ nach einem Tor sein versonnenes Lächeln an den Tag legte. Zudem wird er - wie andere Spitzensportler auch - als Aushängeschild für die angeblich gelungene Integration von Minderheiten hergenommen; seine Weltmeisterelf von 1998 galt als Krönung der „black-blanc-beur“ (Schwarze, Weiße und Nordafrikaner).
Umso größer war das Entsetzen über das häßliche Foul in seinem Abschiedsspiel. Die Gegenspieler hätten seinen Spielmacher gut eine Stunde und 20 Minuten lang provoziert, sagt Trainer Raymond Domenech bitter. Der Kopfstoß sei „nicht zu entschuldigen, aber zu erklären“. Allerdings gab es déjà vus: So rammte Zidane 2000 beim Spiel von Juventus gegen den Hamburger SV den Deutschen Jochen Kientz und wurde für fünf Spiele gesperrt. Insgesamt erhielt er zwölf Rote Karten.
Während die Presse meist hart mit ihm ins Gericht ging, stieß Zidane immerhin im fernen China auf Verständnis: „113 Minuten lang war er ein großer Meister, der uns die letzte Lektion seiner Kunst erteilte“, schreibt der prominente Kommentator Li Chengpeng, „dann wurde er innerhalb einer Sekunde zum Menschen.“ Der österreichische „Standard“ stellt fest, Zidane sei eben „nicht fürs Denkmal, sondern für diese Welt gemacht“.
Sueddeutsche.de von 10.07.2006
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